Offener Brief an Frau Bundesraetin Micheline Calmy-Rey
23. Juni 2004
Dr. Beat Richner, Kantha Bopha Children's Hospitals
                                                                              Siem Reap/Angkor, 23.Juni 2004
 
Hochgeehrte Frau Bundesraetin Calmy - Rey,
 
Heute steht im BLICK (daraufhin auch am Radio und wie ich hoere, eben in der Tagesschau vernehmbar): Der Bund hat die zugesprochenen 2,75 MIllionen an die Spitaeler Kantha Bopha in Kambodscha gesperrt, weil kein Vertrag mit der kambodschanischen Regierung besteht. Ich habe Ihnen die Gruende in einer Audienz vom 11. Mai 2004 in Bern dargelegt, warum wir auf diese Forderung des Herrn Walter Fust, Direktor der DEZA, nicht eingehen koennen. Sie hatten Verstaendis, und ich verstehe nun die Welt in Bern nicht mehr. Auch nicht, warum mich Direktor Fust im BLICK anklagt. Seit 12 Jahren bin ich permanent in Kambodscha, solche leichtfertigen Anklagen wirken schwer, ist man tagtaeglich einer Realitaet ausgesetzt, die sich von klimatisierter und ruhiger Bueroluft in Bern sehr unterscheidet.
 
A: die Forderung nach einem Vertrag von Herrn Fust ist nicht rechtens. Ein rechtliches Unding. Der Bund kann eine Stiftung nicht noetigen, mit irgend einer Regierung Vertraege zu schliessen.
 
B: dass ein solcher Vertrag unabdingbar sei fuer den Einsatz von schweizerischen Steuergelder ist Unsinn: Unabdingbar ist die korrekte Verwendung des Geldes im Sinne der Stiftungsstatuten, wofuer ich selber, die Stiftung, PricewaterhousCoopers vor Ort und in Zuerich, die Evaluation durch die DEZA (best management ever seen, best project ever seen, best relation costs / healing rate ever seen) und die Stiftungsaufsicht des Departement des Innern einstehen.
 
C: Seit 28. Juli 2003 hat Kambodscha bis auf den heutigen Tag keine Regierung. Mit wem soll ein Vertrag geschlossen werden? Die Forderung von Herrn Fust ist somit absurd und klingt deswegen nach buerokratischer Schikane.
 
D: Ob ein Vertrag mit dem Gesundheitsministerium besteht tut nichts zur Frage wie es weiter geht, falls ich nicht mehr lebe. Hinter mir ist eine Stiftung, der Vizepraesident Dr.Peter Studer koennte mich jederzeit vertreten, er kennt alle Behoerden hier, er war schon 34 mal im Kambodscha. Es arbeiten in unseren Spitaelern 1450 Kambodschaner und nur 2 Auslaender. Der Spendenfluss kann bei meinem Ableben ein Problem geben. Aber dem Problem leistet der Bund keine Abhilfe, indem er seinen Beitrag blockiert oder streicht. Wir suchen nach Loesungen langfristiger Finanzierung: Mit unserem Modellcharakter und dem Ausbildungszentrum haben wir nicht nur nationale Wirkung, sondern auch globale. So wird es bald moeglich sein, Stiftungen, Organisationen, Firmen, die nur globale Projekte stuetzen, zu finden.
 
E: Das Gesundheistministerium ist korrupt. Es haelt sich nicht an Vertraege. Unsere Stiftung und unsere Projekte sind dem Leiden der Bevoelkerung verpflichtet, nicht einem korruptem Ministerium, das vertraglich das Geld durch seine Haende fliessen lassen moechte.
 
F: Mit der medizinischen Fakultaet Phnom Penh besteht ein Vertrag. Kantha Bopha ist Regierungsspital und Universitaetsspital, absolut eingegliedert im Gesundheitssystem Kambodschas. Es ist nicht so, wie Funktionaere der DEZA immer noch behaupten, dass wir Subversion des Gesundheitssystem betrieben, da die Behandlung kostenlos ist. Die Bevoelkerung ist mausarm. Wenn sie zahlen muessten, wuerden ihre Kinder sterben.
 
Hochgeehrte Frau Bundesraetin,
Der Anwurf von Herrn Fust im BLICK wiegt sehr schwer: "Mit Rundumkritik verbaut sich Beat Richner langfristig viele Wege". Meine Kritik an der WHO, in der auch die DEZA involviert ist, ist notwendig: Ihre Politik in Kambodscha bewirkt ein passives Genocid. Ihr Gebrauch von toedlichen, billigen Medikamenten, die im Westen wegen der Gefaehrlichkeit verboten sind. Ihr Gebrauch von Medikamenten, die wirkungslos sind. Die Verleugnung der Tuberkulose als Killer Nummer eins, weil die diagnostischen Mittel dazu zu teuer sind fuer ein armes Land (man will diese dem Land vorenthalten), das Nichtstun in Sachen Dengue Fieber, die Verwendung der Gelder, zu 80 % fuer die Salaere ihrer Funktionaere: da waere es kriminell, das nicht zu kritisieren.
 
Hochgeehrte Frau Bundesraetin,
Wir formulierten die Angkor Deklaration fuer korrekte Medizin fuer jedes kranke Kind. Kostenfrei fuer die Armen. Erstunterzeichner ist Koenig Norodom Sihanouk, Zweitunterzeichner Dr.Cornelio Sommaruga, alt Praesident des IKRK. Er hat am 17. Maerz diese Deklaration an US Generalsekretaer Kofi Annan in meinem Namen uebergeben. Bereits haben wir 150 000 Unterschriften von betroffenen Kambodschanern, die wir bald Kofi Annan ueberbringen koennen. Es ist klar, dass die WHO und die Mehrzahl der Funtionaere der DEZA keine Freude daran haben. Ihr Medizinalpolitik fuer die arme Welt verletzt diese Deklaration. Und darum ist auch die Gesundheitssituation in der armen Welt in den vergangen 30 Jahren um nichts besser geworden.
 
Hochgeehrte Frau Bundesraetin,
Herr Fust, der mich anklagt, hatte mit dem Gesundheitsminister im November 2002 in Phnom Penh, ohne mein Wissen, eine "diplomatische Sitzung". Die waren sich einig, ich sollte besser mit dem Ministerium und den Internationalen Organisationen zusammenarbeiten und nicht kritisieren. Das erinnerte mich an Erzaehlungen ueber sogenannte humanitaer/diplomatische Delegationen, die die Juden anfangs dreissiger Jahren in damals deutschen Gebieten besuchten, und ihnen rieten, besser mit den Verwaltungen zusammenzuarbeiten, nicht zu provoziern, nicht zu kritisieren. Ein passives Genocid, Hochgeehrte Frau Bundesraetin, ist hier im Gang, bewirkt durch die Art und Weise, wie die Internationalen Organisationen "Gesundheitspolitik" betreiben und bewirkt durch die arge Korruption.
Hochgeehrte Frau Bundesraetin,
Ich bitte Sie, im Namen aller 5 ,6 Millionen Patienten, die unsere Spitaeler in den vergangenen 12 Jahren passierten, im Namen aller 1450 kambodschanischen Mitarbeiter,die Blockade des Hern Fust zu loesen. Erneut lade ich Sie ganz herzlich ein, als Bundesraetin und als Mutter, unsere Spitaeler zu besichtigen.
 
Ihr Beat Richner
 

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