Jahresbericht 2004
Jahresbericht 2004 der Stiftung Kinderspital Kantha Bopha, Dr. med. Beat Richner
 
1. Der Einsatz von Dr. med. Beat Richner
 
Mit unverminderter Energie hat Beat Richner auch 2004 sein segenreiches Werk zugunsten der kranken Kinder in Kambodscha im Sinne des Stiftungszweckes weitergeführt. Dabei wurde er wieder tatkräftig von seinem Stellvertreter Dr. Peter Studer während insgesamt 12 Wochen vor Ort unterstützt.
 
Direkte Kontakte mit Frau Bundesrätin Micheline Calmy-Rey in Zürich und in Bern gaben Beat Richner die Möglichkeit, das für internationale Zusammenarbeit verantwortliche Bundesratsmitglied über die Leistungen der Stiftung zugunsten des armen Landes Kambodscha persönlich zu informieren und um weitere Unterstützung durch die Eidgenossenschaft zu ersuchen.
 
Bei der Zusammenarbeit mit kambodschanischen Institutionen achten Beat Richner und die Stiftung nach wie vor besonders darauf, dass kein Spendengeld in die unsägliche Korruption verschwindet. Die straffe Führung der Spitäler und die strikte Kontrolle der Tätigkeit der rund 1500 kambodschanischen Mitarbeiter garantieren einen optimalen Einsatz der Spendengelder.
 
An den Solothurner Filmtagen wurde anfangs Jahr erstmals der dritte Film von Georges Gachot über Beat Richner "Geld oder Blut" gezeigt, welcher einen ausgezeichneten Einblick in die medizinische Arbeit in den Kinderspitälern Richners gibt. Der Film kann als DVD-Diskette bei der Stiftung bestellt werden.
 
Immer wieder wird Beat Richner in Kambodscha von interessierten Persönlichkeiten besucht, die dann durch den persönlichen Augenschein des Projektes sehr beeindruckt und von der Effizienz der Arbeit überzeugt sind. Für Touristen ist ein Informationszentrum eingerichtet. Ausserdem spielt Beat Richner wöchentlich im Ausbildungszentrum.
Im März, im Mai und im September weilte Beat Richner jeweils für einige Tage in der Schweiz und gab Konzerte mit Informationen über seine Arbeit in Zürich, Einsiedeln, Bern, Chur und Lausanne. Sodann trat er wieder an der traditionellen Gala des Zirkus Knie am 11. Mai auf.
 
Mit Zeitungsinseraten, in welchen je nach Aktualität die Notwendigkeit und der Umfang der medizinischen Hilfe dargestellt werden, orientiert Beat Richner regelmässig die Spender und die Öffentlichkeit. Mit Zivilcourage äussert er sich dabei auch über historische, politische, gesellschaftliche und ethische Aspekte, die wir gegenüber den hilfsbedürftigen Menschen in den Entwicklungsländern bedenken sollten.
 
 
2. Die Arbeit in den Spitälern in Kambodscha
 
Im Jahre 2004 wurden 70'000 schwerkranke Kinder in die Spitäler aufgenommen, was etwa 190 Aufnahmen pro Tag entspricht. Von diesen Kindern sind nur noch 1,2% verstorben. Die Überlebenschancen der schwerkranken Kinder in Kambodscha sind also durch unsere Spitäler ausserordentlich gestiegen. Es erfolgten 16'000 chirurgische Eingriffe, und es wurden 11'000 Kinder in unserer Maternité geboren, von denen ein grosser Teil von der Übertragung von AIDS durch die Mutter bewahrt werden konnte.
In den Polikliniken der Spitäler wurden 750'000 Kinder ambulant behandelt, was rund 2000 Konsultationen pro Tag ergibt. Daneben wurden 100'000 Impfungen durchgeführt.
Die ganze medizinische Behandlung ist für die Patienten kostenlos.
 
In den Spitälern findet eine permanente Ausbildung von Ärztinnen, Ärzten, Studierenden und Pflegepersonen für ganz Kambodscha statt. Die Spitäler Kantha Bopha I in Phnom Penh und Jayavarman VII in Siem Reap/Angkor sind Universitätskliniken und dienen somit der für Entwicklungsländer entscheidenden Wissensvermittlung. Es wurden zwei Kurse für Ultraschalluntersuchungen für 17 Provinzzentren durchgeführt, denen von der Stiftung je ein Ultraschallgerät zur Verfügung gestellt wurde. Damit kann die Diagnostik in den peripheren Zentren verbessert werden, und es müssen weniger Kinder für Untersuchungen nach Phnom Penh oder Siem Reap geschickt werden. In Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium und der WHO wurden sodann Ausbildungskurse für die Provinzen bezüglich Denguefieber und Tuberkulose durchgeführt, welche eine grosse Nachfrage zeigten.
 
In den Spitälern arbeiteten im Jahre 2004 rund 1540 kambodschanische Mitarbeiter in verschiedenen Funktionen von der Chefärztin eines Spitals bis zur Reinigungsfrau und vom Röntgenspezialisten bis zum Nachtwächter. Neben Beat Richner arbeitet mit Denis Laurent, Docteur en Biologie médicale nur noch ein ausländischer Mitarbeiter mit. Der gebürtige Franzose hat in der Zwischenzeit die kambodschanische Staatsbürgerschaft angenommen. Für die Saläre des gesamten Spitalpersonals setzt die Stiftung rund 22% der Spendengelder ein, für die Medikamente rund 18% und für die medizinischen Betriebseinrichtungen und das Gebrauchsmaterial rund 13%. Gemäss den Berechnungen der Revisionsgesellschaft PricewaterhouseCoopers verwendet die Stiftung lediglich 6,39 % für Administratives (Buchhaltung, Revision, Zeitungsinserate, Briefe an die Spender, Dankesbriefe).
 
Im August konnte in Siem Reap/Angkor die erste Hälfte des Spitalerweiterungsbaus in Betrieb genommen werden, sodass nun dort zusätzlich 200 Krankenbetten zu Verfügung stehen und die engen Platzverhältnisse in den Krankenstationen deutlich verbessert sind. Ebenso konnten die Möglichkeiten von Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen optimiert werden.
 
Am 3. August erfolgte unter Teilnahme des Premierministers Hun Sen die Grundsteinlegung des neuen Spitals Kantha Bopha I in Phnom Penh, welches 2006 das alte, baufällige Gebäude ersetzen wird. Dank der erfolgreichen Aktion "Zwänzgernötli", welche zum Ziel hatte, von 1 Million Leuten je 20 Franken zu erhalten, konnte der Stiftungsrat für den Baubeginn grünes Licht geben.
 
 
3. Stiftungsrat und Geschäftsführung
 
Der Stiftungsrat trat im Berichtsjahr zu drei Sitzungen zusammen (21. Januar 2004, 10. Mai 2004 und 5. Juli 2004). Er liess sich durch Dr. med. Beat Richner und Dr. med. Peter Studer über die Arbeit in den Spitälern sowie über notwendige Erweiterungs- und Renovationsvorhaben orientieren. Er beschloss einen Neubau als Ersatz für das baufällige Spital Kantha Bopha I und stimmte zu diesem Zweck einem Landkauf in Phnom Penh zu. Sodann erfolgten die statutarischen Geschäfte der Abnahme der Jahresrechnung, des Jahresberichtes sowie der Genehmigung des Budgets.
 
Am 10. Juli 2004 traf sich eine Delegation des Stiftungsrates (Leitung Stiftungspräsident Dr. A. Löhrer) mit einer Delegation des DEZA (Leitung Botschafter und Direktor Dr. W. Fust) in Zürich zur Unterzeichnung des Vertrages und von Zusatzvereinbarungen betreffend die Bundesbeiträge an die Stiftung für die Jahre 2004-2006 von jährlich Fr. 2'750'000. Mit grosser Freude konnte die Stiftung Ende Jahr davon Kenntnis nehmen, dass das Hauptanliegen der Zusatzvereinbarungen erfüllt wurde, indem der kambodschanische Staat seinen bisherigen jährlichen Beitrag von USD 300'000 auf USD 1'600'000 ab 2005 erhöhte.
 
Mit Schreiben vom 15. Juli 2004 zeigte sich auch die Eidgenössische Stiftungsaufsicht des Departements des Innern erfreut über den Vertragsabschluss und dankte dem Stiftungsrat für die transparente Rechenschaftsablage bezüglich der Rechnung 2003 sowie für die klare Auskunft bezüglich Spendergelder aus der Sonderaktion im Jahre 2004 für das neue Spital in Phnom Penh.
 
Die Revisions- und Treuhandgesellschaft Intercontrol AG sorgt für eine genaue Buchhaltung der Stiftung und ist jederzeit über den Stand der Liquidität und den Spendenfluss informiert, was äusserst wichtig ist. Denn die Stiftung verfügt nur über Reserven, die den Vollbetrieb der Spitäler für vier Monate ermöglichen. Der Stiftungsrat geht keinerlei Verträge ein, die allenfalls zu Schulden führen könnten.
 
Als Revisionsstelle amtet die PricewaterhouseCoopers AG, welche nach Bedarf auch Kontrollen vor Ort in Kambodscha vornimmt und bestätigt, dass der Verwaltungsaufwand der Stiftung lediglich 6,39 % beträgt.
 
Die Organisation der Stiftung und der Geschäftsführung entsprechen den Prinzipien von Economiesuisse. In diesem Sinne hat der Stiftungsrat aus seinen Reihen einen dreiköpfigen Revisions- und Entschädigungsausschuss eingesetzt.
 
Der Präsident der Stiftung hat mit dem Stiftungspräsidenten der ZEWO Kontakt aufgenommen. Dabei wurde klar, dass beide Stiftungen grösstes Interesse daran haben, durch klare Informationen dem Spender Rechenschaft über die Verwendung von Spenden zu geben. Unsere Stiftung will vorderhand nicht der ZEWO beitreten, da dies aufgrund des damit vorgeschriebenen so genannten Spendenkalenders für uns mit verminderten Informationsmöglichkeiten an die Spender verbunden wäre. Die eidgenössischen Behörden machen ihre Beiträge nicht von der Mitgliedschaft bei der ZEWO, sondern von ihren eigenen Aufsichts- und Kontrollkriterien abhängig.
 
 
4. Finanzielles - Spendenwesen - Öffentlichkeitsarbeit
 
4.1 Jahresrechnung
 
Im Hinblick auf eine noch bessere Transparenz der Rechnungslegung hat der Stiftungsrat der bisherigen Jahresrechnung bestehend aus Bilanz, Betriebsrechnung und Anhang eine Mittelflussrechnung sowie eine Rechnung über die Veränderung des Kapitals beigelegt. Die Erfolgsrechnung ist neu in Staffelform erstellt und zeigt ein Betriebsergebnis, ein Ergebnis vor Fondsveränderung sowie ein Jahresergebnis. Die Vorjahreszahlen wurden entsprechend angepasst. Die finanzielle Berichterstattung orientiert sich insgesamt an den Empfehlungen von SWISS GAAP FER 21.
 
Die Betriebsrechnung schliesst wie erwartet mit einem Aufwandüberschuss von rund CHF 7.1 Mio. Der Grund liegt in der erfolgswirksamen Abgrenzung von CHF 12 Mio. zweckbestimmten Spenden aus der "Zwänzgernötli‚"-Aktion für den Neu- und Erweiterungsbau von Kantha Bopha I in Phnom Penh. Die Rückstellung wird im laufenden Geschäftsjahr 2005 aufgelöst werden und neutralisiert in der Erfolgsrechnung 2005 die anfallenden Baukosten. Wie in den Vorjahren wurden die ganzen Investitionen von CHF 7'326'000 direkt dem Aufwand belastet (vgl. Mittelflussrechnung pro 2004).
Wegen dem Ausbau der Spitäler und den damit verbundenen Investitionen ist der Projektaufwand Kambodscha gegenüber dem Vorjahr um rund CHF 5.6 Mio. bzw. um rund 30% gestiegen. Zusammen mit den Kursdifferenzen von rund CHF 0.9 Mio., welche im direkten Zusammenhang mit dem Projektaufwand Kambodscha stehen, werden von den gesamten Aufwendungen rund 92% direkt und praktisch ohne zeitliche Verzögerung der medizinischen Hilfs- und Unterstützungstätigkeit vor Ort zugeführt.
 
Die Infrastrukturkosten Schweiz sind wegen der "Zwänzgernötli‚"-Aktion und ihrem entsprechenden Akquisitionsaufwand im Durchschnitt der letzten drei Jahren von 5.75% auf 6.39% gestiegen.
 
Der Sammelaufwand 2004 (insbesondere Inserate, Informationsmaterial) beansprucht mit CHF 1.4 Mio. rund zwei Drittel der Infrastrukturkosten Schweiz. Demgegenüber stehen rund CHF 9.0 Mio. erhöhte Spendenerträge.
 
Der Bund sowie die kambodschanische Regierung steuern zusammen rund CHF 3.3 Mio. (10%) an das gesamte Spendenaufkommen von CHF 32.3 Mio. bei. An Vermächtnisse und Legaten haben wir in 2004 rund CHF 1.2 Mio. eingenommen.
 
 
4.2 Spendenwesen
 
Die Spezialaktion "Zwänzgernötli‚" erwies sich als grossartiger Erfolg. Das gesamte Spendenaufkommen stieg um rund CHF 9.0 Mio. (plus 40%) auf insgesamt CHF 32.3 Mio. Die "Zwänzgernötli‚"-Aktion brachte Einnahmen von rund CHF 14.1 Mio., welche für den Neu- und Erweiterungsbau in Phnom Penh zweckbestimmt sind. Die ordentlichen Spenden ohne Zweckbestimmung sind dadurch um CHF 5.4 Mio. (Minus 27%) erwartungsgemäss zurückgegangen.
 
 
4.3 Öffentlichkeitsarbeit
 
Die Spender unserer Institution sowie die Öffentlichkeit werden durch regelmässige Inserate in den grossen Tages- und Wochenzeitungen informiert. Die Inseratekosten betragen nur 3.85% von den ordentlichen Spenden von CHF 24.7 Mio. Sie sind ein wirksames Instrument für die Öffentlichkeitsarbeit und für die Akquisition im hart umkämpften Spendenmarkt.
 
Im Geschäftsjahr 2004 wurden nebst der bereits mehrmals erwähnten "Zwänzgernötli‚"-Aktion im April und im November zwei Mailings verschickt. Zudem hat der Stiftungsrat eine umfassende Überarbeitung der Homepage beschlossen. Dank einer E-Commerce Lösung sind nun auch Spenden via Internet mit Kreditkarten möglich.
 
Die regelmässigen Konzerte von Beat Richner im Ausbildungszentrum in Siem Reap finden bei den Touristen grossen Anklang und tragen dazu bei, das einmalige medizinische Hilfswerk international noch mehr bekannt zu machen.
 
 
5. Ausblick
 
Der Fertigstellung des Erneuerungs- und Erweiterungsbaus gegen Ende Jahr oder anfangs 2006 kommt - neben der laufenden medizinischen Betreuung - höchste Priorität zu.
Trotz dem grossartigen Erfolg der "Zwänzgernötli"-Aktion beansprucht auch in 2005 der tägliche Kampf um finanzielle Unterstützung unsere volle Aufmerksamkeit. Infolge der Naturkatastrophe in Südostasien sind unsere Spenden anfangs Jahr um rund 15% eingebrochen.
 
Mit der neu lancierten Aktion "Zwänzgerreihe" versuchen wir, das Spendenaufkommen zu halten, damit die Spitäler auch im laufenden Jahr ihren medizinischen bzw. humanitären Aufgaben nachkommen können.
 
 
6. Dank
 
Der Stiftungsrat dankt allen Spenderinnen und Spendern von Herzen für ihre einmaligen und wiederholten Beiträge zugunsten der kranken Kinder in Kambodscha. Herzlich sei auch allen Firmen gedankt, die im harten wirtschaftlichen Umfeld bereit sind, mittellose und benachteiligte Menschen zu unterstützen. Die weitere Unterstützung des Projektes durch die Eidgenossenschaft und die direkten Kontakte mit der DEZA spornen den Stiftungsrat an, das Werk von Beat Richner zu sichern und zu zeigen, dass dieses eidgenössischen Steuergeld äusserst sinnvoll und wirkungsvoll eingesetzt wird. Die Bereitschaft der kambodschanischen Regierung, jährlich einen erhöhten finanziell namhaften Beitrag zu leisten, bekräftigt unseren Willen, den kambodschanischen Kindern weiterhin zu helfen. Der Stiftungsrat ist überzeugt, dass sämtliche Spenden und Beiträge für die wirkungsvolle Hilfe in Kambodscha bestens investiert sind.
 
Auch den Medien möchte der Stiftungsrat wieder für das Interesse am Hilfswerk von Dr. Beat Richner bestens danken. Für allfällige Auskünfte ist der Präsident der Stiftung jederzeit bereit. Wie oben erwähnt, sei hier noch ein Ratschlag an Journalisten erlaubt: Ein persönlicher Augenschein in Kambodscha gibt den besten Einblick in die hervorragende Arbeit in den Spitälern.
 
Zürich, 10. Mai 2005
Für den Stiftungsrat: 
Dr. med. Alfred Löhrer, Präsident
 

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