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Äussere Integrität schenken

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Im Jahr 2024 verzeichnete das Jayavarman VII Spital insgesamt 406 Patienten mit signifikanten Brandverletzungen. Davon wiesen 225 Patienten Verbrennungen auf, die weniger als 10 Prozent der Körperoberfläche betrafen. 128 Patienten hatten Verletzungen, die zwischen 10 Prozent und 20 Prozent der Körperoberfläche ausmachten, während die verbleibenden 53 Patienten mehr als 20 Prozent ihrer Körperoberfläche verbrannt hatten.


Auch wenn eine betroffene Fläche von 10 Prozent auf den ersten Blick nicht viel erscheint, entspricht dies beispielsweise dem Ausmass eines gesamten Arms. Ein ganzes Bein hingegen macht etwa 20 Prozent der Körperoberfläche aus. Diese schweren Verletzungen erfordern in der Regel eine umfassende Behandlung sowie einen langen Krankenhausaufenthalt. Trotz begrenzter Ressourcen gelingt es dem Spital, durch innovative Ansätze und aussergewöhnliches Engagement eine vollständige Versorgung zu gewährleisten, sodass die Patienten ihre Lebensqualität vollständig zurückgewinnen und wieder aktiv am Leben teilnehmen können.


Zu den häufigsten Ursachen für Brandverletzungen zählen Unfälle im Haushalt. Weitere Gründe für die hohe Inzidenz sind unzureichende Kinderbetreuung sowie die vielen offenen Feuer auf Bodenniveau, die oft zum Heizen oder Kochen verwendet werden. Des Weiteren gibt es selten Rauchmelder, Brandalarme und Sprinkler in den meisten Häusern. Ein weiterer wichtiger Faktor, der leicht behebbar wäre, ist das mangelnde allgemeine Bewusstsein für Brandprävention.


Häufig führen auch Infektionen, Verkehrsunfälle oder Maschinenunfälle zu grösseren Hautverletzungen. Ein Beispiel hierfür ist dieses Mädchen: Es verlor einen Teil der Kopfhaut, als sich seine Haare bei einem unglücklichen Vorfall in einer Maschine verfangen haben. Nun muss die Integrität ihrer Kopfhaut wiederhergestellt werden.



Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass viele Familien weit entfernt von diesem Spital leben. Dies führt dazu, dass oft mehrere Stunden vergehen, ohne dass eine ausreichende akute Brandbehandlung durchgeführt wird. Zu dieser gehören die Verhinderung weiterer Verbrennungen durch Kühlung der Wunde, Flüssigkeitszufuhr, grundlegende Wundversorgung zur Vermeidung sekundärer Infektionen sowie der Ausgleich von Verdunstungswärme- und Flüssigkeitsverlusten – alles aufgrund mangelnder elterlicher Aufklärung über Erste Hilfe.


Ein weiteres Problem ist, dass nicht in jeder Region und in jedem Krankenhaus die notwendige Versorgung angeboten werden kann. Dies liegt am Mangel an Fachwissen, entsprechend geschultem Personal sowie an unzureichender Ausstattung und Ressourcen.

In der Schweiz sind wir bestens ausgerüstet mit hochqualifizierten plastischen Chirurgen und unbegrenzten Ressourcen. In diesem Kinderspital sind jedoch die Ressourcen begrenzt, und ein plastischer Chirurg ist nicht vorhanden.


Doch das stellt kein Hindernis dar, denn hier weiss jeder Chirurg, wie man Brandverletzungen chirurgisch behandelt. Wenn kein plastischer Chirurg zur Verfügung steht, müssen eben alle Chirurgen das notwendige Wissen und Können erlernen.




Bei oberflächlichen Verletzungen mit einem gut durchbluteten Wundgrund wird die Verbrennung meist mit Vollhaut- oder Spalthauttransplantaten gedeckt. Für die Entnahme wird ein Akku-Dermatom benötigt. In diesem Spital gibt es nur ein Akku-Dermatom, weshalb die Chirurgen hier auch in der manuellen Entnahme von Spalthaut- und Hauttransplantaten geübt sind. Anschliessend wird die Spalthaut mit einer Netztechnik zu einem Meshgraft verarbeitet, sodass die Transplantat-Oberfläche um das 1,5- bis 8-fache vergrössert wird. Für eine maximale Vergrösserung wird auch manuell mit kleinen Ritzungen mittels eines Skalpells nachgeholfen.


Bei schwereren, tieferen Verletzungen, bei denen der Wundgrund schlechter durchblutet ist, verwenden wir in der Schweiz BTM (biodegradable temporizing matrix). Dies ist ein Dermisersatz, der durch Vaskularisation zu einer qualitativ hochwertigen Neodermis umgeformt wird und so einen besseren Wundgrund für spätere Spalthauttransplantationen bietet. Diese Möglichkeit gibt es hier leider nicht. Dennoch wird hier trotz begrenzter Ressourcen eine ausreichende chirurgische Behandlung erreicht. Der Weg zum Ziel ist zwar etwas schwerer und länger, aber die Ergebnisse ermöglichen es den Kindern, wieder voll am Leben teilzunehmen.


Nachdem die Wunde gedeckt wurde, ist eine umfassende Nachsorge und Rehabilitation notwendig. Dies umfasst regelmässige Nachkontrollen und Nachbehandlungen, die in einigen Fällen über mehrere Jahre hinweg durchgeführt werden müssen. Die Verletzung muss durch Physio- und Ergotherapie beweglich gehalten werden, da andernfalls Kontrakturen entstehen können, die die Funktionalität und das Bewegungsausmass der betroffenen Glieder einschränken. Häufig verursachen Narben chronische Schmerzen oder Empfindungsstörungen. Auch das Selbstbild der Patienten und der ästhetische Aspekt sind zu berücksichtigen.


Natürlich darf die psychische Betreuung der Patienten nicht vernachlässigt werden. Wie man sieht, erfordert eine vollständige Behandlung von Brandverletzungen ein grosses Team aus verschiedenen Fachbereichen. In diesem Spital kann dies jedoch nicht in vollem Umfang gewährleistet werden. Die Narbenbehandlung erfolgt hier konservativ mit Cortison-Therapie, da es hier (noch) keine Kryo- oder Lasertherapie gibt. Physiotherapeuten sind ebenfalls nicht vorhanden. Daher wird den Eltern beigebracht, wie sie mit ihrem Kind Physiotherapie durchführen können.


Seit kurzem arbeitet hier zudem die erste und (aktuell) einzige Kinderpsychiaterin im gesamten Spital. Für viele Familien, die weit entfernt wohnen und nicht über die finanziellen Mittel verfügen, kann der Transport zu den vielen Terminen sehr teuer sein. Das Spital stellt jedoch finanzielle Unterstützung für bedürftige Familien bereit, sodass jedes Kind eine umfassende Behandlung erhält.


Dies ist nur eines von vielen Beispielen, wie in diesem Spital durch innovative Ideen und viel Bemühung jedem Kind eine vollumfängliche und gerechte Behandlung geboten wird.


Mit lieben Grüssen aus Siem Reap

Anett


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